Pressemitteilung —
dennree begrüßt Zuckersteuer, fordert aber ausreichend Zeit für Rezepturanpassungen
Freiwillige Maßnahmen haben bislang nicht ausgereicht, um den Zuckergehalt von süßen Getränken in nennenswertem Maß zu senken. Die dennree Gruppe begrüßt daher die geplante Einführung einer Zuckersteuer als wichtigen Schritt für mehr Gesundheitsprävention. Während das Eigenmarkensortiment ohnehin nur natürliche Säfte und keine Limonaden umfasst, fordert der Bio-Händler, zu dem auch mehr als 410 Denns BioMärkte in Deutschland und Österreich gehören, für die Lieferanten seiner Herstellermarken ausreichend Zeit für Rezepturanpassungen. Zudem sollten die Einnahmen aus der Zuckersteuer gezielt in Präventionsmaßnahmen investiert werden.
Die Einführung einer Zuckersteuer auf zuckerhaltige Getränke ab 2027 ist eine von 66 Maßnahmen, die die Finanzkommission Gesundheit zur Deckung der steigenden Kosten bei den Gesetzlichen Krankenversicherungen und zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge empfiehlt. Nach dem aktuellen Vorschlag soll die Steuer gestaffelt erhoben werden:
- 32 Cent pro Liter bei ≥ 8 g Zucker pro 100 ml
- 26 Cent pro Liter bei 5 bis unter 8 g Zucker pro 100 ml
- keine Abgabe bei < 5 g Zucker pro 100 ml / keine Abgabe für Säfte
Die daraus erwarteten Einnahmen liegen bei rund 650 Millionen Euro.
Hintergrund: Zucker als gesundheitlicher Risikofaktor
Denn zu viel Zucker ist ungesund. Die aufgenommenen Kalorien erhöhen das Risiko für Übergewicht und Adipositas, und ein kontinuierlich erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu Insulinresistenz beitragen und Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes begünstigen. Zu viel Zucker kann entzündliche Prozesse im Körper verursachen und dadurch die Entstehung von Autoimmunkrankheiten fördern. Nicht zuletzt wandeln die Bakterien im Mund Zucker zu Säure um, die den Zahnschmelz angreift und Karies verursachen kann.
Darüber hinaus wurde in der Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed (DONALD)-Studie ein Zusammenhang zwischen einer geringeren Knochenmineralisierung bei Jugendlichen und hohem Konsum von Softdrinks festgestellt. Die Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt, allerdings steht Phosphorsäure als Verursacher im Verdacht. Trotz all dieser Nachteile reißt das Verlangen nach dem süßen Nährstoff nicht ab, denn Zucker aktiviert das Anreizsystem im Gehirn.
Deutsche nehmen fast 26 Gramm Zucker am Tag nur über Getränke auf
Getränke sind eine besonders relevante Quelle für Zucker. In einer 330-Milliliter-Dose handelsüblicher Cola stecken üblicherweise zwischen neun und elf Würfel davon. In Deutschland tragen Getränke deshalb erheblich zur täglichen Zuckeraufnahme bei: Euromonitor-Daten zufolge nehmen die Verbraucher*innen hierzulande allein darüber fast 26 Gramm Zucker pro Tag auf – mehr als in anderen westeuropäischen Ländern. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Getränke kaum sättigen und deshalb häufig zusätzlich zu den regulären Mahlzeiten getrunken werden. Die dadurch erhöhte Energiezufuhr wird in der Regel weder durch einen geringeren Verzehr anderer Lebensmittel noch durch mehr körperliche Aktivität ausgeglichen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. hält es deshalb für „wahrscheinlich“, dass bei Erwachsenen süße Getränke zu Übergewicht und Adipositas beitragen, bei Kindern für „möglich“. High Consumer entwickeln unabhängig vom Alter „wahrscheinlich“ Diabetes mellitus Typ 2.
Weltgesundheitsorganisation empfiehlt max. 50 Gramm Zucker pro Tag
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb, maximal zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs aus freiem Zucker zu decken. Unter dem Begriff „freier Zucker" versteht sie hierbei alle Zuckerarten, die Lebensmitteln zugesetzt werden sowie natürlicherweise in Honig, Sirup und Fruchtsäften vorkommen. Bei Erwachsenen entspricht dies ungefähr 50 Gramm pro Tag, bei Kindern und Jugendlichen zwischen ca. 30 und 40 Gramm. Langfristig hält die WHO sogar eine weitere Senkung auf unter fünf Energieprozent für sinnvoll. Davon sind die Menschen in Deutschland weit entfernt: nach Angaben des Max-Rubner-Instituts liegen Frauen aktuell bei 61 Gramm pro Tag, Männer bei 78 Gramm pro Tag.
Produktmonitoring des MRI zeigt: Freiwilligkeit reicht nicht
Die Bundesregierung hat die Notwendigkeit, den Zuckerkonsum in Deutschland zu reduzieren, erkannt, aber bislang auf gesetzliche Vorgaben verzichtet. 2018 hat sie stattdessen die freiwillige „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI)“ ins Leben gerufen. Sie sollte die Hersteller dazu bewegen, ihre Rezepturen freiwillig zu verändern. Doch das regelmäßig veröffentlichte Produktmonitoring des Max-Rubner-Institutes zeigt, dass der Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken in dieser Zeit lediglich um rund neun Prozent gesunken ist. In der Klasse der meistverkauften Produkte beträgt die Reduktion zwar knapp 15 Prozent, doch enthalten diese durchschnittlich ohnehin mehr Zucker als die gesamte untersuchte Produktpalette im Schnitt.
Verantwortungsvolles Handeln für heutige und kommende Generationen
Wenn Freiwilligkeit nicht die nötigen Veränderungen herbeiführt, ist Zeit für Verbindlichkeit. Ernährungsmitbedingten Krankheiten entgegenzuwirken, ist eine Herausforderung unserer Zeit und ein Ausdruck verantwortungsvollen Handelns, das dennree seit vielen Jahren lebt, um langfristig verantwortungsvolle Ernährungs- und Konsumentscheidungen zu unterstützen. Dieser Verantwortung trägt dennree als Bio-Fachhändler bereits bei der Gestaltung des eigenen Sortiments Rechnung. So umfasst das Getränkesortiment unter den dennree Eigenmarken ausschließlich natürliche Säfte, doch keine Softdrinks.
Nun ist es an der Zeit, auch die Produkte anderer Hersteller zu verbessern und den Zuckergehalt zu reduzieren. dennree hält die Einführung einer Zuckersteuer deshalb für einen wichtigen Meilenstein des Verbraucherschutzes und steht damit im Schulterschluss mit den Verbraucher*innen: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Foodwatch befürworten 60 Prozent der Befragten eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer auf Cola, Limo und Co., 38 Prozent lehnen sie ab.
Folgende Aspekte sind allerdings für einen bestmöglichen Erfolg wichtig:
Appell 1: Zuckersteuer muss Zucker reduzieren, nicht ersetzen
Der Zucker in den Getränken darf nicht einfach pauschal durch Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe ersetzt werden. Denn auch Süßungsmittel sind nicht frei von Kritik: Diskutiert werden unter anderem mögliche Auswirkungen auf das Darmmikrobiom, den Zuckerstoffwechsel und das langfristige Essverhalten. Die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung liefern dafür ein gutes Vorbild, denn synthetische Süßstoffe wie Aspartam oder Acesulfam sind in Bio-Lebensmitteln grundsätzlich verboten.
Appell 2: Ausreichend lange Übergangszeit muss neue Rezepturen ermöglichen
Das primäre Ziel der Zuckersteuer darf nicht sein, Mehreinnahmen zu generieren und damit Schadensbegrenzung im Gesundheitswesen zu betreiben. Das primäre Ziel muss sein, die Verbraucher*innen präventiv vor zuckermitbedingten Krankheiten zu schützen. Dazu ist es nötig, eine schrittweise Reformulierung der Rezepturen hin zu weniger Zucker zu generieren und den Zuckerkonsum der Bevölkerung zu senken. Dies hat aber nur dann Erfolg, wenn sich auch das süße Empfinden und das süße Verlangen der Konsument*innen verändert. Dieser Prozess braucht Zeit. dennree fordert daher eine ausreichend lange Übergangszeit bis mindestens 2029, damit die Hersteller neue Rezepturen entwickeln können.
Appell 3: Zuckersteuer darf nur für Getränke mit zugesetztem Zucker gelten
Viele Getränke enthalten natürlicherweise Zucker, etwa Fruchtsäfte (Fruktose) oder Milch (Laktose). In Getreidedrinks entsteht er durch die enzymatische Spaltung der natürlicherweise enthaltenen Stärke. Diese Zucker sind Teil der ursprünglichen Lebensmittelmatrix und ernährungsphysiologisch anders zu bewerten als zugesetzter Zucker. Eine pauschale Besteuerung aller zuckerhaltigen Getränke würde diese Unterschiede verwischen und natürliche Rohstoffe benachteiligen. dennree fordert daher, die Zuckersteuer ausschließlich auf Softdrinks mit zugesetztem Zucker anzuwenden.
Appell 4: Einnahmen aus Zuckersteuer müssen in Präventionsangebote fließen
Mehr als 60 Länder weltweit haben bereits eine Zuckersteuer eingeführt, wobei die Modelle und Steuerarten variieren. In Großbritannien zum Beispiel zahlen Getränkehersteller seit 2018 eine nach dem Zuckergehalt gestaffelte Verbrauchssteuer. Seitdem hat der Zuckergehalt in diesen Getränken um 35 Prozent abgenommen. Auch der Zuckerkonsum der Bevölkerung über Limonade, Cola und Co. ist deutlich gesunken und liegt aktuell bei rund
16 Gramm pro Kopf und Tag. Studien, die das Gewicht untersucht haben, zeigen allerdings, dass sich die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas seit Einführung der Steuer in Teilen der britischen Bevölkerung nicht in diesem Ausmaß positiv verändert hat.
Das macht deutlich: Übergewicht und Adipositas sind ein vielschichtiges Problem, das nicht mit einer einzelnen Maßnahme zu lösen ist. Die Zuckersteuer muss deshalb in eine umfassende Präventionsstrategie eingebettet sein. Dazu gehört eine frühe Ernährungsbildung insbesondere für Kinder und Jugendliche ebenso, wie eine bessere Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen eines dauerhaft hohen Zucker- und Kalorienkonsums. Auch Anreize für mehr körperliche Aktivität sind notwendig – etwa durch bessere Bewegungsangebote in Schulen, Vereinen und Kommunen sowie durch eine bewegungsfreundliche Gestaltung des öffentlichen Raums.
Ziel muss es sein, gesundheitsfördernde Entscheidungen im Alltag einfacher zu machen. Eine Zuckersteuer kann hierzu einen Beitrag leisten
Themen
Über die dennree Gruppe
Die dennree Gruppe mit Stammsitz im oberfränkischen Töpen ist der führende Bio-Fachhändler im deutschsprachigen Raum. Rund 8.500 Mitarbeiter*innen in Deutschland und Österreich tragen zum Erfolg der 1974 gegründeten Unternehmensgruppe bei, darunter mehr als 500 Auszubildende, duale Studierende und Trainees. Der Firmenname dennree ist aus dem Französischen abgeleitet und bedeutet Grundnahrungsmittel. Er steht für die Vision des dennree Gründers Thomas Greim, den Menschen Bio-Produkte zur Verfügung zu stellen – eben „Bio für jeden Tag“.
Als Marktplatz für Erzeuger*innen, Einzelhändler*innen und Kund*innen bietet dennree mit mehr als 13.500 Artikeln aus garantiert ökologischem Anbau ein umfassendes Bio-Sortiment an. Über das eigene, flächendeckende Logistiksystem beliefert das Handelshaus rund 1.120 Biomärkte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Südtirol. Dazu gehört auch der BioMarkt Verbund, ein Zusammenschluss von rund 540 selbstständigen BioMärkten und Denns BioMärkten aus Deutschland und Österreich unter der gemeinsamen Dachmarke „BioMarkt“.
Seit mehr als 50 Jahren setzt sich dennree dafür ein, die ökologische Bewegung ganzheitlich voranzutreiben. Wie wichtig Vielfalt und gelebte Verantwortung sind, stellt das Unternehmen unter anderem mit dem Betrieb und der fortwährenden Weiterentwicklung des Hofgut Eichigt unter Beweis. Seit 2015 ist der Biohof im sächsischen Vogtland Teil der dennree Gruppe.